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Montag, 23. Mai 2016

Ein Heiratsantrag und viele Schmeicheleien

Wie ihr ja schon in meinen Freitags Impressionen lesen konntet, musste ich am Wochenende wieder Arbeiten. Dieses mal war ich zu Gast auf der Chirurgie. Ich muss ja ehrlich sagen, das dass mal so gar nicht mein Gebiet ist. Diese ganzen Knochenbrüche, Blinddärme und Mandel Geschichten reizen mich ja mal so gar nicht. Aber manchmal kann ich es mir eben nicht aussuchen auf welcher Station ich bin.

Der Dienst begann wie immer um sechs Uhr in der Früh. Zeit für ein Käffchen war leider nicht, denn die Masse an Patienten wollte versorgt werden. Ich widmete mich den etwas aufwändigeren Patienten und stürzte mich ins Getümmel. Mein erster Patient war nicht sonderlich gut gelaunt, aber es nutzte ja alles nichts. Er beschwerte sich erstmal über die weck Zeiten. Tja guter Mann, die habe ich leider auch nicht gemacht. Recht hat er. Aber wie immer sind wir Schwestern schuld. Ich begann meine Arbeit und das Mosern ging weiter. Das Wasser zu warm, das Licht zu hell, das falsche Duschgel, die falsche Unterhose und so weiter. Alles in allem etwas unzufrieden, doch ich hatte Nachsicht mit dem armen Mann. Er hatte es wirklich nicht leicht mit seinem Künstlichen Darmausgang. Aber irgendwann haben wir es dann geschafft und er war doch etwas froh, sich etwas frischer zu fühlen.

Der nächste Patient war ein besonderes Schätzchen und seine Geschichte wirklich traurig. Als seine Frau vor ein paar Jahren verstorben ist, hat er angefangen zu Trinken. Er ist vollkommen von der Bahn gekommen und hatte leider niemanden, der ihn aufgefangen hat. Das ganze führte irgendwann dazu, das er beide Füße verlor. Trotz allem war er ein sehr netter Mensch. Ich half ihm also beim Waschen und er erzählte währenddessen ein paar wirre Geschichten. Als wir fast fertig waren, sagte er, " Komm mal etwas näher. Ich muss dir was sagen". Ähm, okay. Ich ging etwas näher heran mit meinem Gesicht. " Noch näher!" Jetzt wurde es heikel. Meistens endet so etwas nicht gut. Ich ging noch ein kleines Stückchen näher heran. Er bewegte nur seine Lippen. Doch im Lippen ablesen war ich nicht sonderlich gut. Zumal sein Vollbart es nicht gerade leichter machte. Ich sagte ihm, das ich ihn nicht verstehe. Und dann kam plötzlich das, " ICH LIEBE DICH. Willst du mich Heiraten?". Ich musste erstmal schmunzeln und war peinlich berührt. Leider musste ich ihm sein Herz brechen und sagte, " Ich fühle mich sehr geehrt, aber ich bin leider schon Verlobt". Er war beleidigt, drehte sich um und knabberte seine Plätzchen. Wovon ich übrigens nichts ab bekam, wie er sagte. Pech für mich. Nur gut das er mir den Antrag erst nach dem Waschen gemacht hatte. Sonst hätte ich ein Problem gehabt.

Im nächsten Zimmer ging es dann weiter mit den Schmeicheleien. Zwei Herren im mittleren Alter, die versuchten mein Alter zu schätzen. Das ist übrigens eines der Lieblings Beschäftigungen bei Männern im Krankenhaus. Erraten wie Alt die Schwestern sind. Nervt mich ja Persönlich schon etwas. Nicht die Tatsache, mein Alter Preis zu geben. Sondern diese unterschwelligen Anmach versuche. Aber es gibt dann immer gleich eine nette, forsche und passende Antwort von mir, sodass es keine weiteren Versuche mehr gibt. Meistens ist es dann auch gut und die Männlichen Patienten benehmen sich wieder wie Erwachsene. Mein geschätztes Alter lag übrigens bei 24. Knapp daneben, wenn man mal bedenkt, das ich dieses Jahr schon 30 werde.

Alles in allem, ein ganz normales Arbeitswochenende für mich!




Montag, 25. April 2016

Unverhofft, kommt oft

Eigentlich dachte ich ja, das es dieses Wochenende nicht viel zu erzählen gibt von der Arbeit. Aber ich wurde wieder mal eines besseren belehrt und wie sagt man so schön " Unverhofft, kommt oft". Mein Arbeitstag am Samstag, fing wie immer mit der Übergabe der Nachtschwester an. Danach machten wir uns auf den Weg zu unseren Patienten, die uns schon sehnsüchtig erwarteten. Es war wie immer gut zu tun, aber ohne dramatische Zwischenfälle. Dachte ich zumindest. Es war kurz vor zwölf und wir verteilten das Mittagessen an die Patienten. Ein paar Minuten später klingelte es. Es war Patientin XY, die in der 34 Ssw. war und wegen starkem Nasenbluten bei uns lag. Nun gut, ich machte mich auf den Weg um zu schauen, was die Patientin wollte. Auf dem halben weg dorthin, sah ich schon eine Linie aus Blut tropfen auf dem Boden. Ich dachte mir nur " Oh nein, es scheint wohl noch nicht besser geworden zu sein". Und um so näher ich dem Zimmer kam, um so lauter hörte ich sie würgen. Ich ging schneller. Als ich im Zimmer an kam, war die Patientin im Badezimmer und übergab sich ins Waschbecken. Doch ich sah nur Blut! Es war überall! Im Waschbecken, in ihren Haaren, an ihren Händen, auf ihrer Kleidung und in ihrem Gesicht. Geschockt hat mich nicht wirklich das Blut, sondern die Menge. Also so etwas, habe ich wirklich noch nie gesehen. Und es spritzte nur so aus ihrer Nase heraus. Es war wirklich so viel, das es ihr sogar den Rachen hinunter lief und sie dadurch brechen musste. Ich drückte sofort den Not Knopf und prompt waren alle zur Stelle. Frau XY wimmerte und sagte nur "Oh Gott! Es ist so viel Blut!". Ich versuchte sie zu beruhigen und streichelte ihr sanft über den Rücken. Die Ärzte kamen und wir brachten die Frau erstmal zurück zu ihrem Bett. Um die Blutung zu stillen, wurde ihre Nase tamponiert. Ich wich ihr keine Sekunde von der Seite, denn ich hatte das Gefühl, das meine Anwesenheit sie beruhigte. Und auch ich hatte das Bedürfnis, sie jetzt nicht alleine zu lassen. Ein paar Minuten später, kam ihr Mann ins Zimmer, kreidebleich, mit den Worten " Ich war doch nur eben das Park Ticket erneuern". Er war natürlich auch sehr geschockt von dem Anblick seiner Frau und auch wenn er versuchte, stark zu wirken, sah ich seine Angst in den Augen. In dem Moment wusste ich nicht, wer mir mehr Leid tat. Denn ich bewunderte diese Frau, das sie trotz allem noch lachen konnte und einigermaßen ruhig war. Die Ärzte berieten sich, wie es denn nun weiter geht mit ihr. Und ich stand immer noch bei Frau XY und ihrem Mann. Um die beiden etwas ab zu lenken, erzählte ich ihnen etwas von mir, meiner Schwangerschaft und meinem Sohn. Um so mehr ich redete, um so ruhiger wurden die beiden und das gab mir ein gutes Gefühl. Die Blutung stoppte nur langsam, doch ich wartete,bis es aufhörte. Und das tat es dann irgendwann auch. Frau XY hatte ihre langen dunklen Haare überall herum flattern, doch sie hatte kein Haargummi dabei. Wie sie sagte "Mein Mann vergisst immer die wichtigen Dinge einzupacken". Ich musste schmunzeln, denn irgendwie kam mir das bekannt vor. Tja, wie lösen wir denn nun das Problem? Ich gab ihr dann ganz spontan mein eigenes und sagte "Ich hab noch genug davon und sie können es gerade besser gebrauchen als ich". Sie bedankte sich mehrfach, obwohl das gar nicht nicht nötig war. Für mich selbstverständlich! Ich zauberte mir aus einem Rest Verband ein neues "Haargummi" und lief den Rest vom Dienst und noch bis nach hause, so herum. Mich störte es überhaupt nicht. Im Gegenteil, es war schon irgendwie witzig. Nun war die Blutung endlich gestillt und ich machte Frau XY noch etwas frisch, denn so Blutverschmiert, sah alles noch etwas dramatisch aus. Mittlerweile stand auch schon der Feierabend vor der Tür und ich verabschiedete mich und wünschte ihr alles gute.

Hier das Beweis Foto ;) 

Der Sonntag dagegen war ziemlich ruhig. Doch es gab einen kleinen Lacher auf der Arbeit. Verzeiht mir, wenn ich darüber gelacht habe, oder immer noch lache. Aber diese Situation war einfach nur, ach lest selbst. Es war so gegen elf Uhr. Da stand plötzlich diese Frau und sagte " Ich bin in der zweiten Woche Schwanger. Mir ist so übel. Könnte ein Arzt mal nach schauen, ob alles in Ordnung ist?". Öhm, ja. Ich dachte erst, ich hätte mich vielleicht verhört und fragte noch mal nach, in welcher Woche sie sei. Doch die Antwort war die gleiche. Ich lächelte freundlich und bat sie, sich kurz zu setzten. Ich gab der Ärztin bescheid und ja auch sie musste erstmal lachen und fragte mich ob das ein scherz sei. Nein, war es nicht! Ich liebe die Gynäkologie <3 


Sonntag, 17. April 2016

"Das bisschen Haushalt, macht sich von allein..."

Ich mag meinen Job, aber...

Ich hatte euch ja hier schon mal erzählt, das ich seid einigen Jahren in der Pflege tätig bin. Bevor ich Mutter wurde, war mein Job auch mein Lebensinhalt. Es macht mir nach wie vor sehr viel Spaß und etwas anderes zu machen, kann ich mir nicht so wirklich vorstellen. Nun bin ich seid über einem Jahr wieder Arbeiten und zwar nur an den Wochenenden und Feiertagen. Leider ist es anders noch nicht zu regeln und die Arbeitszeiten sind auch nicht gerade Familienfreundlich. Denn welche Mutter möchte ihr Kind schon Nachts um fünf, oder noch früher, aus dem Bett reißen. Also ich nicht. Und da ich auch gerne etwas zum Familienunterhalt beitragen möchte und zu meinem Wohlergehen, haben wir uns für dieses Modell entschieden. 

Was zur Hölle fällt ihnen manchmal ein???

Nun kommen wir mal zu meinen netten Arbeitskollegen. Also zumindest ein paar von ihnen. Ich schätze sie wirklich sehr. Man kann wirklich super mit ihnen Arbeiten, lachen und auch mal über persönliche Dinge reden. Doch, an manchen Tagen, weiß ich wirklich nicht was mit ihnen los ist. Jeder von uns hat mal einen schlechten Tag oder vielleicht die Mens. Aber was zur Hölle fällt ihnen manchmal ein zu behaupten, das ich den ganzen Tag nichts zu tun hätte? Da fällt mir gleich dieses Lied hier ein, " Das bisschen Haushalt, macht sich von allein....".  Und dieser Satz kommt nicht nur von " Kinderlosen", nein auch von Kollegen mit Kindern! Aber dann sind sie meistens schon erwachsen und anscheinend haben sie die frühe Kindheit ihrer Kinder vergessen oder verdrängt. Denn jede Mutter die ein Kind zwischen 0-3 Jahren(oder älter) hat weiß, wie schön und anstrengend es manchmal sein kann. Und es ist weiß Gott nicht nur Pampers wechseln, füttern und schlafen angesagt. Gerade in dem Alter wo sich mein Sohn jetzt befindet, wird einem als Mutter viel mehr abverlangt. Ich würde mal behaupten, manchmal sogar mehr als im Job.

Von wegen nichts zu tun!

Manchmal kann ich nicht mal mehr alleine auf Toilette gehen. Während ich gerne ungestört mein Geschäft erledigen möchte, holt mein Sohn seine komplette Autosammlung dazu und spielt Währenddessen. An manchen Tagen, da gibt es nur Mama und mein Sohn klebt mir regelrecht am Bein und wehe der Papa will ihn dann anfassen oder geschweige denn ins Bett bringen. Oohhh. Dann ist hier was los. Manchmal darf ich nicht mal den Raum verlassen, dann wird schon gebrüllt. Wie viel Nächte war ich schon wach mit meinem Sohn, egal aus welchen Gründen und hätte gerne mit meinem Mann getauscht, der seelenruhig im Bett lag und den Schlaf der gerechten schlief. Wie oft kam ich einfach nicht zum essen oder trinken. Momente in denen ich von saftigen Hamburgern geträumt habe, weil ich so einen Hunger hatte. Wie oft hatte ich Angst um meinen Sohn, wenn er sich weh getan hat und das Blut nur so lief. Bald lädt uns der Kinderarzt zum essen ein. Wie oft schmeißt sich mein Kind mittlerweile auf den Boden, nur weil er nicht das 1000ste Auto von mir bekommt. Wie oft durfte ich mir von fremden Menschen Erziehung Tipps anhören. Dieses ständige eingreifen in unsere Privatsphäre ist wirklich nervig. An vielen Tagen ruft, nein schreit mein Haushalt regelrecht nach mir. Das Bad will glänzen, die Wäsche will gewaschen werden,die Küche will aufgeräumt werden. Tja, ist oft aber leider nicht drin. Denn wenn man die Wahl zwischen aufräumen und Couch hat, muss man ja nicht lange drüber nachdenken oder?! Wie oft habe ich mir Dinge vor genommen und dann bekam mein Sohn plötzlich Durchfall. Shit Happens! Dann ein anderes mal. Ich könnte nun noch tausend andere Dinge aufzählen, aber mal ehrlich, das soll keine Arbeit sein? Es ist Schön, aber auch sehr wohl anstrengend und Arbeitsreich!


Viele Gespräche auf der Arbeit fangen dann meist so an:

"Hallo Sonja, du siehst müde aus."
"Bin ich auch, wir waren die halbe Nacht wach mit dem kleinen." 
" Tja, du hast es dir ja so ausgesucht, also Jammer auch nicht." 
" Das hab ich auch. Aber sag mal, hast du mir nicht letzte Woche noch erzählt, das dir die Knochen weh tun von der ganzen Arbeit hier? Tja, du hast dir den Job ausgesucht, dann Jammer auch nicht! Ruhigen Dienst noch."

So oder so ähnlich laufen dann manche Gespräche ab und ich bin immer wieder entsetzt darüber, wie wenig die Mutterrolle wert geschätzt wird. Oder besser gesagt, das gegenseitige Verständnis. Aber ich lass es dann meist gut sein, denn ich möchte niemanden bekehren oder meine Meinung aufzwingen. Und auf Stress hab ich auch keine Lust.

Ein bisschen "Jammern" darf doch jeder mal

Ich möchte wirklich keinen Orden dafür, was ich als Mutter so leiste. Und ja, ich habe es mir selber ausgesucht. Und ich möchte auch mit niemandem auf dieser Welt tauschen! Doch ein wenig Respekt ist doch nicht zu viel verlangt. Niemand steckt in meiner Haut oder lebt mein leben. Genau so, ist es auch anders herum. Ich respektiere es auch, wie die Lebensumstände anderer sind. Egal ob Kinder vorhanden sind oder nicht. Jeder darf sich mal über den Job beklagen oder eben auch mal über seine Kinder. Da ist nichts verwerfliches dran und völlig normal. Doch im Endeffekt, lieben wir doch unseren Job und auch unsere Kinder. Egal wie anstrengend es manchmal ist. Und ich finde, das ein wenig "Jammern" auch mal erlaubt sein sollte. Denn am nächsten Tag, sieht die Welt schon wieder anders aus.




Dienstag, 12. April 2016

Zwischen Leben und Tod

Es ist nicht nur eine Tätigkeit zum Geld verdienen

Jedes mal, wenn ich arbeiten muss, freue ich mich sehr darauf. Es ist nicht nur eine Tätigkeit zum Geld verdienen für mich, nein es ist etwas, was mich wirklich komplett ausfüllt ( Ich hatte hier schon einmal darüber berichtet). Es macht mir sehr viel Spaß mit Menschen zu arbeiten, zu kommunizieren, zu interagieren. Sie zu  beobachten, ihnen zu helfen und ihre ganz eigenen Geschichten zu hören. Ich nehme mir immer gerne etwas Zeit für meine Patienten und versuche immer, ihnen ein kleines Lächeln zu entlocken. Es erfüllt mich mit wahnsinnig viel Freude, wenn sich meine Patienten wohl und gut behandelt fühlen. Auch das ein oder andere Kompliment zeigt mir, das das was ich tue, genau das richtige ist. Nicht nur meine Patienten vergessen ihre Sorgen und ihren Kummer wenn ich da bin, auch ich kann sehr gut abschalten während meiner  Arbeit. Meine ganze Konzentration liegt bei dem, was ich tue. Ich denke nicht an meinen Sohn oder an den Wäscheberg der noch auf mich wartet. Aber mit das wichtigste für mich ist, das alle Menschen gleich und ohne Vorurteile behandelt werden von mir.

Die Arbeit ist manchmal das reinste Gefühlschaos

Natürlich gibt es nicht nur schöne Momente in meinem Beruf. Leider gehören auch traurige Dinge zu meinem Alltag. Wobei dieser Job, niemals Alltag für mich sein wird. Jeder Arbeitstag ist anders und kein Tag gleicht dem anderen. Immer wieder muss man sich neu justieren und auf alles eingestellt sein. Jederzeit kann etwas passieren, womit man nicht rechnet. So wie auch an dem letzten Wochenende. Ich war dieses mal auf einer Station, die in zwei Bereiche unterteilt ist. Zum einen die Internistischen Patienten und zum anderen die gynäkologischen Patientinnen. Gleich morgens früh um 7 Uhr, bekamen wir eine frisch gebackene Mama auf Station gebracht. Sie und ihr Mann strahlten über das ganze Gesicht. Allein dieser Augenblick,ließ mich mit Ihnen strahlen und erfreute mein Herz. Es war einfach nur schön zu sehen, das neues Leben geboren wurde und wie stolz die Eltern ihre Tochter ansahen. Ein Glücksmoment würde ich sagen. Etwas später, kam ich zu einer Patientin, die sich bei mir bedankte. Sie sagte" Sie schickt der Himmel. Ohne Sie, wäre ich aufgeschmissen und wüsste nicht mal mehr, wie ich zur Toilette komme. Ich bin so dankbar dafür, daß Sie mir helfen. Schade nur, daß Sie nicht dementsprechend entlohnt werden. Gott schütze Sie!". Uff! Da war ich erstmal baff. So etwas liebes hört man auch nicht alle Tage. Ich wusste gar nicht so recht, was ich antworten sollte. Ich lächelte sie an, bedankte mich und sagte, das ich das gerne mache. Etwas später, gab es dann einen Notfall auf Station! Alles musste sehr schnell gehen. Wenige Minuten entschieden jetzt, über Leben und Tod. Bei uns allen legte sich ein Schalter um und wir funktionierten. Alle Handgriffe saßen und wir versuchten ein Menschenleben zu retten. Und wir haben es geschafft! In dem Moment, wo man das realisiert, fällt eine große last von den Schultern. Doch es gab einen weiteren unschönen Moment, der mich wirklich berührt hat. Es war eine Patientin, die im zweiten Trimenon Schwanger war. Wir erfuhren es als erstes, das ihr Kind, was sie im Bauch hatte, nicht mehr Lebte. Ich musste erstmal schlucken. Ehrlich gesagt, war das ziemlich hart für mich. Denn jetzt wo ich selbst eine Schwangerschaft erlebt habe, kann ich vielleicht nur annähernd nachvollziehen, wie sich das anfühlt. Ich hätte heulen können, doch das ging nicht. Ein wenig Professionell musste ich bleiben. Diese Augenblicke zeigen mir, wie kurz das Leben ist. Das man jede Sekunde mit seiner Familie genießen sollte. Dankbar dafür sein sollte, das seine Kinder gesund sind.

Neue Türen die sich öffnen

Bisher habe ich noch nie auf einer Gynäkologischen Station gearbeitet. Aber ich muss sagen, das hat mir wirklich total viel Spaß gemacht! Die ganzen Frauen und auch Schwangeren zu betreuen, war einfach nur schön. Ich konnte mich wirklich in vieles hineinversetzen und habe gerne zugehört, was mir diese Frauen erzählt haben. Ich fühlte mich das erste mal, richtig angekommen und so ein Glücksgefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Meine Mutterschaft hat mich so Positiv verändert und auch die Sicht auf viele Dinge. Denn noch vor  zwei, drei Jahren hätte ich es mir niemals vorstellen können, in dem Bereich zu Arbeiten. Aber es ist nie zu spät, noch einer weitere Ausbildung zu machen. Denn ich habe Blut geleckt und jetzt will ich mehr davon! Mal schauen, wie sich die nächsten Arbeitstage so entwickeln und ich freu mich schon darauf, meiner Leidenschaft wieder nach zu gehen.







Montag, 15. Februar 2016

Mein Job ist eine Berufung!


Dieses Jahr im Sommer, bin ich nun schon seid sieben Jahren in der Pflege tätig. Für mich ist das schon eine verdammt lange zeit, wenn man mal bedenkt, das ich mein erstes Praktikum in dem Bereich, nach dem zweiten Tag schon hin schmeißen wollte. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Dienst, wo ich weinend in der Stationsküche saß und für mich eine Welt zusammenbrach. Ich sollte einer Patientin bei der Intimpflege helfen. Ein Schock für mich! Ich war zarte 18 und habe früher jede Folge "Für alle Fälle Stefanie" geschaut. Dies war meine Vorstellung für den Beruf einer Krankenschwester. Leider herrscht ja bei diesen TV Serien, kein Stück Realität! Ich war der Meinung, das alle ihren Job lieben, mit Herz und Leidenschaft dabei sind. Ich dachte niemals darüber nach, was ich dort auf den Stationen zu sehen und zu hören bekomme. Ich habe niemals an oder über den Tod nachgedacht. Auch über die Arbeitszeiten machte ich mir damals keinen Kopf. Ich lebte in einer Traumwelt und war mir sicher, das ist der perfekte Job für mich.

An diesem besagten Tag, als ich weinend in der Stationsküche saß, kam meine damalige Stationsleitung zu mir und fragte was los sei. Ich erzählte ihr, das ich mich wohl geirrt hatte und das ganze nicht packe mit dem Praktikum. Auch das ich Hemmungen gegenüber den Patienten hätte, sagte ich ihr. Sie versuchte mich zu beruhigen und kniete sich vor mich hin. Ihre Worte werde ich wohl nie vergessen und das war der Grundstein, meiner Beruflichen Zukunft.


" Sonja, bitte gib nicht so schnell auf. Ich habe schon viele Praktikanten und Schüler betreut und wusste meistens schon vorher, ob dieser Job zu ihnen passte oder nicht. Du gehörst aber zu denen, die dafür geschaffen sind! Du bist aufgeschlossen und lebensfroh und gestehst dir deine Schwächen ein. Du kennst deine Grenzen und sprichst sie offen aus. Nur so kannst du diesen Job schaffen!"


Sie konnte mich erstmal überzeugen und ich beschloss es erstmal weiter zu versuchen. Und ja, was soll ich sagen, seid diesem Tag klappte es immer besser! Ich nahm den Ausbildungsplatz an und es machte einfach Spaß. Ich blühte regelrecht auf und wurde auch in der Schule immer ehrgeiziger. Auch mit der Krankenhaus Realität, habe ich mich arrangiert. Es ist nun mal nicht wie im Fernsehen und dieses Bild was ich im Kopf hatte, habe ich verabschiedet. Ich war wissbegierig und wollte alles an wissen mit nehmen was ging. Nun gut, die Arbeit mit den Patienten klappte also mittlerweile hervorragend und auch meine Hemmungen habe ich abgelegt.

Doch es gab auch Momente, in denen ich total überfordert war und wieder an mir gezweifelt habe. Theorie ist das eine, doch die Praxis sieht meistens anders aus. Ich weiß nicht wie oft wir das Thema "Notfallmedizin" in der Schule hatten. Wie oft wurde uns beigebracht, was in einem akuten Notfall zu tun ist. Wir waren uns damals alle sicher, das wir ganz cool reagieren würden und uns an die Theorie halten könnten. Wissen abrufen und die Praxis durchführen. Tja, auch da sah die Realität leider anders aus. Die meisten hatten sich leicht überschätzt. So wie ich! Mein erster Notfall, ja da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Es war kurz vor Feierabend. Ich war durch Zufall noch mal in dem Zimmer und sah gleich, das etwas nicht stimmte. Meine Patientin hatte einen Herzstillstand. Ich zitterte am ganze Körper und war wie gelähmt. Wenige Sekunden später drückte ich die Notfall Klingel und schrie "555". Das war der Code für Notfall. Alle stürmten herbei und fingen gleich an zu reanimieren. Doch ich stand immer noch da und war geschockt. Ich war wirklich fix und fertig und begann wieder mal an mir selbst zu zweifeln. Doch meine Chefin beruhigte mich und sagte, ich habe alles richtig gemacht. Auch mit solchen Momenten musste ich lernen um zu gehen.

Auch an meine erste Leiche kann ich mich noch sehr gut dran erinnern. Komischerweise, hatte ich damit weniger Probleme. Die Patienten sahen meist friedlich aus, als würden sie schlafen. Mich hat es meist mehr mit genommen, wenn ich auf die Angehörigen getroffen bin. Sie haben einen geliebten Menschen verloren und es gehört mit zu meinen Aufgaben, diese auf zu fangen. Das war manchmal ganz schön Kräftezehrend und ließ mich nie kalt. Manches mal habe ich auch mit geweint. Besonders bei Patienten, die ich lange betreut habe und die wirklich schwer krank waren. Während meiner Ausbildung hatte man uns immer gesagt, die Arbeit nimmt man nie mit nach Hause. Doch manchmal viel es mir schwer. Ich bin ja auch nur ein Mensch und vieles lässt mich halt nicht kalt oder ist mir egal. Mittlerweile ist aber auch dies kein Problem mehr für mich. Zwar ist es für mich immer noch keine Realität, aber ich weiss wie ich damit umzugehen habe.

Die Arbeitszeiten sind natürlich auch nicht ohne. Während meiner Ausbildung mussten wir 12 Tage am Stück Arbeiten. Damals dachte ich, das es ein klacks sei. Pustekuchen! Die ersten 7 Tage meisterte ich ohne Probleme. Doch ab dann fing es langsam an, einen auszulaugen. Früh und Spät Dienste gehörten natürlich auch dazu und der Wechsel manchmal jeden Tag, war schon hart. Die Knochen taten mir weh, meine Füße brannten ( Oh Gott, ich wusste nicht wie viel ich laufen würde), in ruhe Pause machen war manchmal auch nicht drin. Dann kommen noch die ganzen Wochenenden und Feiertage dazu die man Arbeiten muss. Wobei mich das nie wirklich gestört hat, bis ich eine Familie gründete.

Meine Ausbildung verlief ohne Probleme und ich war immer gut vorbereitet. Ich war fest der Überzeugung, das ich meine Abschlussprüfung schaffen werde. Eine Woche vorher, hatte mich mein damaliger Freund verlassen und vor die Tür gesetzt. Da stand ich nun. Verlassen und am Ende. Ich war am Boden zerstört und wusste nicht wie es weiter gehen sollte. Ich war so mit meinem Liebeskummer beschäftigt, das ich die Prüfung hinschmeißen wollte. Ich dachte, das ich diese Ausbildung nicht brauchen würde und wollte nur noch weg. Doch ein paar Stunden vor meiner Prüfung, entschied ich mich anders! Ich habe so lange gekämpft und hart daran gearbeitet, meinen Traum Job zu haben, das wollte ich mir nicht kaputt machen. Also machte ich mich unvorbereitet auf den weg. Mein Hintern ging mir wirklich auf Grundeis, aber ich wollte es wenigstens versuchen und ich habe tatsächlich bestanden! Es war ein Wunder!  Die ganze Last viel von mir ab und ich war über Glücklich. Mein Traum ging in Erfüllung und die Arbeitswelt wartete auf mich.

Nach der ganzen Zeit, wo ich diesen Job nun schon mache, kann ich sagen, das ist meine Berufung! Für mich kommt kein anderer Beruf in frage und ich liebe das was ich tue. Mein Weg war  zwar nicht gerade einfach, doch ich habe es geschafft und darauf bin ich ganz schön stolz.



Mich würde es sehr Interessieren, wie euer Beruflicher Werdegang begonnen hat. Wenn ihr mir eure Geschichte erzählen wollt, dann meldet euch doch bei mir! Schickt mir gerne eine Email oder eine Privat Nachricht bei Facebook. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn mir jemand seine Geschichte erzählt.